Abgeordnetenkolumne im Schwäbischen Tagblatt, 30. Juni 2017

(30.06.2017) In den letzten Jahren haben die Arbeitsmarktdaten immer neue Rekorde erreicht. Nach den Zahlen der Arbeitsagentur Reutlingen lag die Arbeitslosenquote im Bezirk Tübingen im Mai 2017 bei 2,8 Prozent und damit nahe an der Vollbeschäftigung. Diese positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier immer wieder Beschäftigte Angst um ihre berufliche Zukunft haben und Arbeitsplätze ganz konkret bedroht sind.

Ich habe mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass die Firma Siemens die Produktion am Standort in Kilchberg einstellen und die Arbeit nach Tschechien verlagern will. In wenigen Jahren soll über die Hälfte der Arbeitsplätze wegfallen.

Diese Entscheidung betrifft nicht nur das Unternehmen und die Beschäftigten: Wenn hunderte Arbeitsplätze verloren gehen, betrifft das zugleich hunderte Familien, ihre Lebensgrundlagen und ihre Zukunftschancen.

Hinzu kommt, dass diese Entscheidung nicht nur für die Betroffenen und ihre Familien katastrophal wäre, sondern auch für die Stadt und den Kreis Tübingen. Ein Arbeitgeber dieser Größe hat eine enorme Bedeutung für die ganze Region. Gerade Tübingen braucht auch industrielle Arbeitsplätze und Jobangebote für Leute ohne akademischen Abschluss. Umgekehrt bietet unser Standort eine hervorragende Infrastruktur, die gute Qualifikation der Beschäftigten, gute Schulen und verlässliche Betreuungsangebote.

Deshalb ist es alles andere als Symbolpolitik, wenn sich die politisch Verantwortlichen auf kommunaler Ebene sowie aus Landtag und Bundestag einmischen. Ganz im Gegenteil: Wir Politiker sind auch dafür gewählt, uns um die Alltagsprobleme der Bürgerinnen und Bürger zu kümmern, nachzufragen und uns einzumischen, wenn Betriebe und Arbeitsplätze in Gefahr sind. Deshalb habe ich frühzeitig den Austausch mit dem Betriebsrat gesucht, mich gemeinsam mit meinem Landtagskollegen Nils Schmid an die Verantwortlichen bei Siemens gewandt und für den Erhalt dieser Arbeitsplätze geworben. Im Sinne einer gemeinsamen Lösung werden die SPD-Gemeinderatsfraktion, Nils Schmid und ich den weiteren Prozess aktiv begleiten und Gespräche mit den Beteiligten führen.

Sicherlich kann auch die Politik hier keine einfachen Antworten bieten. Aber es kann am Ende eine Lösung für den Standort geben, wenn alle Beteiligen – Management, Betriebsrat und Politik – sich engagiert darum bemühen und kompromissbereit sind.