Arbeit, die ins Leben passt – Kolumne im Schwäbischen Tagblatt vom 18. Mai 2018

Die Digitalisierung bringt neue Herausforderungen und neue Chancen in der Arbeitswelt. Die SPD will diesen Wandel politisch gestalten – damit die Arbeit ins Leben passt.

Handy, Laptop und Internet machen es immer einfacher, von zuhause oder von unterwegs zu arbeiten. Das ist Chance und Gefahr zugleich: Chance, weil die Beschäftigten Flexibilität gewinnen können, um die Arbeitszeit zum Beispiel an den Bedürfnissen der Familie auszurichten. Gefahr, wenn die ständige Erreichbarkeit die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zu lassen droht und die Beschäftigten die Arbeit gegen ihren Willen mit nach Hause nehmen müssen. Um das in Einklang zu bringen, ist es Ziel des Koalitionsvertrags, einen Rechtsrahmen für mobiles Arbeiten zu schaffen, der mehr Freiheit in der Arbeitszeitgestaltung mit klaren Grenzen und einem guten Schutz der Beschäftigten verbindet.

Auch gesellschaftliche Veränderungen wirken auf die Arbeitswelt: Viele Beschäftigte wollen nicht mehr ihr ganzes Leben in Vollzeit arbeiten, sondern in einzelnen Lebensphasen Raum für andere Dinge haben. Es gibt ganz verschiedene Gründe, vorübergehend seine Arbeitszeit zu reduzieren: um mehr Zeit für die Kinder zu haben, für die Pflege von Angehörigen, für Weiterbildung, das Ehrenamt oder einfach für eigene Projekte.

Bislang ist der Weg in die Teilzeit leider oft eine Einbahnstraße, ein Wechsel zurück in Vollzeit kaum möglich. Besonders häufig stecken Frauen in dieser Teilzeitfalle. Sie werden so nicht nur beruflicher Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten beraubt, sondern müssen auch mit niedrigeren Rentenansprüchen rechnen. Darum will Bundesarbeitsminister Heil das Teilzeitrecht mit der Einführung der Brückenteilzeit fortentwickeln. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten bekommen damit einen Rechtsanspruch, ihre Arbeitszeit für eine Dauer zwischen einem und fünf Jahren zu reduzieren und danach wieder zur bisherigen Arbeitszeit zurückzukehren. CDU und CSU müssen ihre Blockadehaltung bei diesem Thema schnell aufgeben, damit das Gesetz noch vor der Sommerpause vom Bundestag beschlossen werden kann und Beschäftigte ab 2019 von der neuen Regelung profitieren. Ich hoffe, dass auch meine Kollegin Annette Widmann-Mauz ihren schönen Worten als Bundesvorsitzende der Frauen-Union Taten folgen lässt und in ihrer Fraktion auf eine schnelle Umsetzung dringt.