Die Energiewende bundesweit und vor Ort voranbringen – Nina Scheer MdB über Visionen und Widerstände

SPD-Energieexpertin diskutierte auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Martin Rosemann und SonnenEnergie Neckar-Alb e.V. in Tübingen die Zukunft der Energiewende

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Rosemann hatte gemeinsam mit dem Verein SonnenEnergie Neckar-Alb e.V. zu einer Diskussionsveranstaltung „Wie weiter mit der Energiewende?“ in die Tübinger Altenbegegnungsstätte Hirsch eingeladen. Als ausgewiesene Expertin hatte Martin Rosemann seine Fraktionskollegin Nina Scheer, Ansprechpartnerin für Erneuerbare Energien für der SPD-Fraktion und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie gewinnen können.

Martin Rosemann verwies eingangs auf die umfassende politische Bedeutung der Energiewende: „Die ökologische Frage ist zugleich eine ökonomische und soziale Frage“, so Rosemann. Es gehe darum, den nötigen Umstieg auf eine Energieversorgung aus regenerativen Quellen konsequent voranzutreiben, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Gleichzeitig müssten die volkswirtschaftlichen Potentiale der Energiewende besser genutzt werden und Energie für alle Menschen bezahlbar bleiben. Eine dezentrale Versorgung anstelle des Monopols weniger großer Energiekonzerne sei dafür eine wichtige Voraussetzung, so Rosemann.

 

Klaus Fink stellt Energieszenario 2030 A für die Region Neckar-Alb vor

Daran anknüpfend stellte der Vorsitzende von SonnenEnergie Neckar-Alb e.V. Klaus Fink das Energieszenario 2030 A vor. Dieses beschreibt einen Weg, wie der Energiebedarf der Region Neckar-Alb in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr bis zum Jahr 2030 vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden könne. Eindrucksvoll veranschaulichte er, welche Auswirkungen der Klimawandel auch in der Region habe und welche Chancen ein konsequenter Umstieg in der Energieversorgung mit sich bringe. So seien bei einem Hagelunwetter vor wenigen Jahren in der Region in weniger als 30 Minuten Schäden in Höhe von 2 Milliarden Euro entstanden.

Als Verein zur Förderung der erneuerbaren Energien in der Region nimmt SonnenEnergie Neckar-Alb eine wichtige Funktion bei der Beratung privater Investoren vor Ort ein. Dementsprechend legte Klaus Fink einen Fokus auch auf die Perspektiven für kleinere, genossenschaftliche Projekte.

 

Nina Scheer: „Die Energiewende braucht einen stärkeren Ausbau Erneuerbarer Energien, auch für den Verkehrs- und Wärmebereich“ 

Die Energieversorgung müsse auf eine neue Grundlage gestellt werden, betonte auch Nina Scheer, deren Vater Herrmann Scheer als SPD-Abgeordneter zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung maßgeblich das Erneuerbare-Energien-Gesetz geprägt hatte. Sie skizzierte in ihrem Vortrag den aktuellen Stand bei der Energiewende und die anstehenden Herausforderungen für die Politik. Nina Scheer machte zudem deutlich, mit welchen Widerständen das Vorantreiben der Energiewende konfrontiert wird. Insbesondere CDU und CSU träten seit Jahren als Bremser auf. Bereits die Kehrtwende in der Atompolitik unter Schwarz-Gelb sei gegen die Energiewende gerichtet gewesen. So sei es Union und FDP mit Unterstützung der großen Energieversorger gelungen, Atomkraft als notwendige „Brückentechnologie“ zu verkaufen und damit die Laufzeitverlängerung zu begründen, obwohl der Atomausstieg bereits besiegelt war. Auch in der aktuellen Großen Koalition hätten CDU/CSU stets auf eine Begrenzung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien gedrängt und damit nicht nur klimaschutzpolitische Ziele in Frage gestellt, sondern auch die mit der Energiewende begonnene Akteursvielfalt gefährdet. Damit die Energiewende wieder an Fahrt aufnehmen könne, bedürfe es einer deutlicheren Offenlegung verfälschender Darstellungen in der öffentlichen Debatte, appellierte Nina Scheer an die etwa 50 Gäste: „Es müssen die Chancen und Vorteile der Energiewende in den Mittelpunkt rücken“.