Praktikumsbericht von Teresa Staiger

Mein Praktikum im Berliner Bundestagsbüro von Martin Rosemann im Rahmen meines Politik- und Geschichtsstudiums begann ich mit großer Aufregung, aber auch mit großen Erwartungen und wurde nicht enttäuscht. Jetzt, sechs Wochen später verlasse ich Berlin mit viel neuem Wissen, neuen Erfahrungen und Eindrücken im Gepäck und bin dankbar, diese Möglichkeit gehabt zu haben.

Es war hoch interessant, die Gelegenheit zu bekommen, hinter die Kulissen des Bundestags und seiner Arbeitsweise zu gucken. Die Ausschussarbeit im Bereich „Arbeit und Soziales“, begleitet durch die fraktionsinterne Arbeitsgruppe, drehte sich in meiner Praktikumszeit besonders um das Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz und es war spannend zu sehen, wie fair, manchmal aber auch hitzig debattiert und entschieden wurde. Auch die Vorstellung des Haushaltes mit seinen Implikationen besonders für den Rentenbereich, durch Ministerin Andrea Nahles, oder die Debatte um die Mütterrente bei Adoptiveltern waren sehr informativ. Man lernt im Studium natürlich viel über das politische System der Bundesrepublik, aber zu sehen, wie im Ausschuss oder Plenum und in kleineren Kreisen Politik tatsächlich abläuft, hat mir ein besseres Verständnis für die Arbeit eines Abgeordneten und des Parlaments gelehrt. Es war insbesondere bei dem Verfahren um das „Asylpaket“ interessant zu sehen, wie schnell das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren, das sich normalerweise über mehrere Monate erstreckt, in besonderen Situationen abgewickelt werden kann, aber wie es in anderen Fällen, etwa beim Thema „Flexible Übergänge“ sehr langsam und zäh nur vorrangeht.

Darüber hinaus hatte ich das Glück, dass die SPD-Bundestagsfraktion vor kurzem die Initiative Projekt Zukunft – #NeueGerechtigkeit ins Leben gerufen und Martin die Leitung für die Projektgruppe #NeueZeiten übernommen hat, die sich mit Arbeits- und Lebensmodelle im Wandel beschäftigt. Es soll darum gehen, mögliche Antworten oder Zielvorgaben für die Chancen, aber auch für die Probleme der Digitalisierung und des demographischen Wandels zu finden und auszuarbeiten. Neue Arbeitsmodelle, neuartige Technologien, veränderte Lebens- und Familienmodelle stellen unsere Gesellschaft und die Politik vor ganz neue Herausforderungen. Wie kann man den Wunsch nach mehr partnerschaftlicher Aufteilung von Erwerbsarbeit und Zeit für die Familie nachkommen? Die fortschreitende Digitalisierung verändert klassische Berufe und Arbeitszeitmodelle: wie zum Beispiel sichern wir (Solo-)Selbständige in Zukunft ab? Was bedeutet der technologische Wandel für die Zukunft vieler Berufe? Diese und viele andere Fragen wurden und werden diskutiert und das auch sehr lebensnah, was mir sehr gut gefallen hat. Ich assistierte dem Projektreferenten Ulf Meyer-Rix und durfte an der Auftaktveranstaltung des Projekts und an den Projektgruppentreffen teilnehmen, führte Protokoll, machte Literaturrecherche, las sehr viel zu den umfassenden Themenbereichen des Projekts und schrieb Zusammenfassungen der Literatur, beispielsweise zu dem Thema Crowdworking.

‚Typische‘ Praktikantenarbeiten wie Post holen und Besuchertaschen packen, aber auch Rechercheaufgaben, das Schreiben von Texten für die Homepage, Protokollieren und Tätigkeiten des allgemeinen Büroalltag gehörten zu meinen Aufgaben. Auch dürfte ich Ton- und Kameraassistentin bei Interviews für einen Film für Herta Däubler-Gmelin spielen, wofür wir beispielsweise Franz Müntefering, Christoph Strässer und Elvira Drobinski-Weiß interviewten. Darüber hinaus begleitete ich Martin unter anderem zu den Ausschuss- und Arbeitsgruppensitzungen, wie etwa der Arbeitsgruppe Teilhabe, zu einer Paneldiskussion mit einer chinesischen Delegation über den demographischen Wandel und seinen Herausforderungen für die sozialen Sicherungssysteme und zu Diskussionen mit Besuchergruppen aus dem Wahlkreis, wie den Ortsvorständen der IG Metall und dem Vorstand der Handwerkskammer Reutlingen. Auch Veranstaltungen über den Islamischen Staat und zu dem Thema ‚Fluchtort Deutschland‘ des Netzwerks Berlins, eine der drei Strömungen innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion, waren hochaktuell und sehr spannend.

Dank des SPD-Praktikantenprogramms bekam ich die Gelegenheit eine Führung durch den Bundesrat zu machen und nahm an Gespräche im Bundesministerium für Arbeit und Soziales und im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Parteizentrale, teil. Auch die Führung durch das Kanzleramt oder die Regierungspressekonferenz gehörten definitiv zu meinen Highlights!

Bei der Fraktionssitzung wurde mir deutlich, wie Debatten auch innerhalb der Partei geführt werden und es durchaus fraktionsintern strittige Themen gibt, die dann aber angemessen von allen diskutiert und entschieden werden .

Alles in allem waren das sechs sehr intensive und lehrreiche Wochen, in denen ich für mein Studium und für mich persönlich viel mitnehmen konnte. Besonderen Dank geht an Martin, Philipp, Christine, Sina und Ulf, die eine sehr angenehme und mitunter lustige Arbeitsatmosphäre ermöglichen und sich immer Zeit für meine Fragen genommen haben. Vielen Dank für die Erfahrungen, die ich bei euch sammeln dürfte!